Talsperrentour

Nichts kann mich noch aufhalten.
Die 3 Elemente – Luft – Wasser – Erde haben es mir heut angetan.
Luft für Frühling, Bikeerwachen aus dem Winterschlaf; Wasser für einige Flüsse und Seen bzw. Stauseen, die ich heute besuchen will und Erde steht für unsere wunderschöne Gegend, mit ihren Wäldern, Höhen und Tälern und nicht zuletzt dem Weg, der mein Bike sicher tragen soll.

Mein Baby scharrt schon mit den Hufen, also los geht’s hinauf Richtung Reinsdorf und unsere Hausserpentine - Das Echo - wieder hinab in Richtung Mylau und Göltzschtalbrücke. Die größte Ziegelbrücke der Welt steht sozusagen vor meiner Haustür und ist ein Muss für jeden Biker. Dieser Koloss fasziniert jährlich tausende Besucher. Mittlerweile gibt es einen Brückenverein, der allerlei Souvenirs parat hält. Die kleine Göltzsch ist eigentlich nur ein unscheinbares Flüsschen und trotzdem war sie Namensträger und hat das Bauwerk damit weltberühmt gemacht, wenn man davon ausgeht, dass mittlerweile auch die „pictureversessenen“ japanischen Touristen den Weg hierher finden. Diese 577 Meter stellen die Zugverbindung Leipzig-Hof her und überwinden 78 Meter Höhenunterschied. Respekt seinen Erbauern.
Ein Stück das kurvenreiche Tal der Göltzsch entlang, dann scharf rechts hinauf durch Netzschkau dann durch waldreiches Gebiet auf einer Berg- und Talfahrt, passiere ich das kleine Städtchen Elsterberg. Und schon geht es wieder hinauf in luftige Höhen über Landstraßen, wie sie nur die Einheimischen kennen und lieben. Über Hohendorf, Arnsgrün gelange ich schließlich nach Syrau. Wer kennt sie nicht, die Drachenhöhle?

Die lasse ich heut links liegen, halte mich in Richtung Plauen, frequentiere für eine kurze Zeit die B92, auf der ich meiner Lucy die Sporen geben kann und tauche wenig später schon wieder in die Berglandschaft unseres Vogtlandes ein. Höhenunterschiede bis 400 Meter, kurvenreiche Stecken, wohin man schaut, landschaftlich fantastische Höhenzüge. Das alles kann ich während meines Tripps einsaugen und es tut verdammt gut. Ich fühle mich unendlich frei nach den langen Wintermonaten eisernen Wartens auf die Saison. Über Steinsdorf gelange ich auf einer wenig befahrenen Straße nach Pöhl. Erst hier nehme ich die vielen Menschen wahr, die mir gleich das neue Jahr begrüßen. Die Welt hat uns wieder. Etliche Biker treffen sich zufallsartig an der Sperrmauer, grüßen und lassen sich verführen vom Spiel der Sonnenstrahlen im stahlgrauen Wasser der Talsperre. Biker mit Herz, denke ich, stehe selbst minutenlang, bis ich wieder Sehnsucht nach Asphalt verspüre.

Weiter geht der Weg über Möschwitz zur B173. Nun schon in der Vogtlandmetropole Plauen, die sicher auch einen Altstadtausflug wert wäre, bleibe ich in Richtung B173 Richtung Hof bis Weischlitz. Über leichte Anhöhen durchquere ich nun ein Gebiet deutsch- deutscher Geschichte. In Mißlareuth/ Mädlareuth nämlich kann man noch einen Bruchteil der ehemaligen Staatsgrenze besichtigen. Unrühmlich aber wahr und durchaus anschaulich gestaltet ist sie als Mahnung erhalten geblieben. Die Straßen sind trocken, nur ab und an ist Vorsicht geboten, da der Kies noch nicht endgültig von den Straßen geräumt wurde. Ich lege meine Lucy in die Kurven und sie lässt sich führen, wie ein verliebtes Mädchen. Die Straße ist kurvenreich aber übersichtlich, kein Gegenverkehr in Sicht. Über Gefell erreiche ich Saaldorf und finde mich an der zweiten Talsperre für heute wieder. Die Saale speist sowohl die Bleiloch- als auch Hohenwartetalsperre.

Die Bleilochtalsperre wurde 1932 fertiggestellt und ist deshalb erwähnenswert, da sie die größte Talsperre Deutschlands mit 215 Mio. qqm Stauraum darstellt. Das Tal spendet Schatten, birgt jedoch auch Rutschgefahr durch die Nässe, die nicht ganz entweichen kann. So tucker ich gemächlich am Wasser entlang, den Blick auf den Stausee genießend. Und wieder auf Nebenwegen, schmalen, gerade noch befahrbaren Straßen, erreiche ich Leutenberg, um geradewegs mein nächstes Ziel, die Hohenwartetalsperre an zu steuern. Über Hohenwarte und Drognitz komme ich direkt zur Mühlenfähre.

Sie verbindet die Orte Altenroth und Linkenmühle . Die 400 Meter von Ufer zu Ufer werden in ca. 5 Minuten bewältigt. Die Mühlenfähre kann ich Hochzeiten bis 100 Fahrten übernehmen. Die Nutzer sparen sich damit 33 km Umweg.
Für mich eine Gelegenheit, das direkt am Wasser liegende Restaurant zu besuchen, in dem ich mir einen Kaffee schmecken lasse. Die Gaststätte wirkt zwar wie eine Gartenkneipe, besticht jedoch durch ihr reichhaltiges und schmackhaftes Angebot. Die Sonne kitzelt meine Nase, steht schräg über dem angrenzenden Wald, was für mich heißt, aufzubrechen.

Zwischen Moxxa und Ziegenrück freue ich mich noch auf ein Straßenhighlight. Erwartet mich erst eine steile Abfahrt, kann ich danach meine Kurvenlage erneut auf kehrenähnlichen Kurven austesten, die mich wiederum auf die Höhe führen. Langsam aber sicher wende ich mich meinem Heimweg zu. Die kleinen Nester sind mir wohlbekannt, gehören sie doch zur Einflugschneise so mancher meiner Tripps. Nun kann ich wählen, ob ich noch den Zeulenrodaer Stausee anfahre oder den östlicheren Weg durch kleine verträumte Ortschaften und dichte Wälder nehme. Ich entscheide mich für den letzteren.

Der Pöllwitzer Wald empfängt mich. Sein Schatten begleitet mich bis Wellsdorf. Von dort aus ziehe ich meine Bahn durch Tremnitz, das ebenfalls an einem Stausee liegt, drehe noch einmal richtig auf, um danach in Moschwitz langsam fahrend die Bauern zu grüßen.
Ab geht’s in das Elstertal meiner Heimatstadt Greiz. Ein gelungener Tag neigt sich seinem Ende. Glücklich und zufrieden steige ich von meinem Baby. Euch wünsche ich viel Spaß bei vielleicht meiner eben beschriebenen Tour.

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